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Lebenszeugnis von Wolfgang und Magdalena

Quelle: kath.net

 Ein junges Ehepaar gibt Zeugnis: „Auch als wir nach einem langen Sommer dann offiziell ein Paar wurden, versuchten wir, sehr behutsam mit unserer körperlichen Nähe umzugehen.“

Wien (kath.net/Jakobs Blog) Wir – Magdalena und Wolfgang – kommen aus der Steiermark, sind 22 und 25 Jahre alt und frisch verheiratet. Gefunkt hat es zwischen uns vor drei Jahren beim Pfingstfest 2012 in Salzburg – davor kannten wir uns nur flüchtig aus dem Grazer Loretto-Gebetskreis. Es folgte ein intensiver Monat voller Verliebtheit, sehr langen Facebook-Chats und trotzdem auch voller gegenseitiger Ungewissheit. Als wir dann zum ersten Mal über unsere Gefühle füreinander sprachen und merkten, dass diese auf Gegenseitigkeit beruhten, war die Freude riesig. :-) Doch es war uns auch beiden wichtig, uns noch näher kennenzulernen, bevor wir eine feste Beziehung eingehen wollten, sowohl um etwaigen Verletzungen vorzubeugen, als auch, um die Beziehung, die wir uns ja eigentlich beide wünschten, auf eine gute Basis zu stellen. So entschieden wir uns, einige Monate rein freundschaftlichen Kontakt zu pflegen und verzichteten in dieser Phase auch bewusst auf Zärtlichkeiten wie Umarmungen oder Händchenhalten. Das half uns, die gemeinsam verbrachte Zeit für wirkliche Gespräche und Aktivitäten zu nutzen, bei denen wir uns richtig gut kennenlernen konnten. Auch als wir nach einem langen Sommer dann offiziell ein Paar wurden, versuchten wir, sehr behutsam mit unserer körperlichen Nähe umzugehen.

Warum wollten wir das so machen?

Für mich (Magdalena) war der Grund dafür nicht meine Mutter, die mir mit ca. 11 Jahren zu verstehen gab, dass „Sex in die Ehe gehört“… Das nahm ich damals nicht besonders ernst, sondern betrachtete es eher als überholte Sichtweise aus dem vorigen Jahrhundert. Doch ein paar Jahre später traf mich in einem Gespräch der folgende Satz einer jungen Frau mitten ins Herz: „Du kannst niemandem mehr schenken als dich selbst.“ Von da an wuchs in mir die Sehnsucht, dieses Geschenk – nämlich mich selbst – ganz für meinen zukünftigen Ehemann aufzuheben.

Ich (Wolfgang) hingegen, bekam zwar von klein auf genügend Erklärungen über die Lehre der Kirche und habe vieles davon quasi „im Kopf verstanden“, doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ohne einen wirklich persönlichen Glauben und ohne Unterstützung durch christliche Freunde, diese Ideale schnell zu schwer einzuhaltenden Regeln werden. Immer wieder merkte ich aber, dass das Wegbewegen von diesen Idealen mich nicht zu Befriedigung und Erfüllung führte, sondern innere Einsamkeit und Zerrissenheit mit sich brachte. Die Freundschaft mit Magdalena war mir dann von Anfang an zu kostbar; die wollte ich „g’scheit“ angehen, zumal auch meine Gottesbeziehung und mein Glaubensleben zu dieser Zeit aufzublühen begannen.

Als wir schließlich „offiziell“ ein Paar wurden, lasen wir gemeinsam das Buch „Theologie des Leibes für Anfänger“ von Christopher West, weil wir die Lehre der Kirche und insbesondere des Hl. Papst Johannes Paul II. im Bereich von Beziehungen und Sexualität tiefer verstehen wollten. Dabei nahmen wir uns nach jedem Kapitel Zeit, miteinander über das Gelesene zu sprechen und wir merkten, dass wir Vieles davon mit eigenen Erfahrungen verknüpfen konnten. Besonders wichtig wurde es uns, in der körperlichen Nähe nicht nur den sinnlichen Reiz und die eigene Befriedigung zu suchen, sondern vor allem die Person des/der anderen zu sehen um einander mit jeder körperlichen Berührung auch auf einer tieferen Ebene wirklich zu begegnen. Sehr oft erleben wir solche Begegnungen als Geschenke Gottes, die all unsere begrenzten menschlichen Bemühungen vollenden und übersteigen. Und das gehört für uns dann eindeutig zu den schönsten Augenblicken unserer Zweisamkeit! :-)

Sehr wichtig war uns auch, darauf zu achten, dass unsere körperliche Nähe unsere geistige Nähe nicht „überholte“, sondern beide im Einklang miteinander standen. Wir öffneten uns und begegneten einander also in einem Ausmaß, wie es auch der Realität unserer Beziehung entsprach – auch wenn dies für uns zum Beispiel hieß, dass wir uns erst nach drei Monaten zum ersten Mal küssten. ;-) Das alles war natürlich nicht unbedingt einfach für uns, sondern oft ein wirklich harter Kampf und immer wieder mussten wir uns auch eingestehen, an unseren eigenen Idealen gescheitert zu sein. Und dennoch haben wir gespürt, dass es uns zu einem viel größeren Glück führt, wenn wir auf dem Weg bleiben, für den wir uns entschieden haben. In diesen Situationen half uns die Begegnung mit dem barmherzigen Gott im Sakrament der Beichte jedes Mal, uns wieder neu auszurichten.

Und schließlich, nach insgesamt drei Jahren des Wachsens, Prüfens und Reifens kam der große Tag, an dem wir uns das Sakrament der Ehe spendeten und einander damit im Vertrauen auf Gott unser bedingungsloses „JA!“ zusprachen. Dieses bedingungslose JA drückt sich nun auf körperlicher Ebene in der sexuellen Vereinigung aus: Indem wir uns einander ganz und ohne Vorbehalt schenken und gegenseitig annehmen. Dass wir mit dieser Liebe und Hingabe gleichzeitig Abbild für die Liebe Gottes sein dürfen, der Sein bedingungsloses Ja zu uns Menschen jeden Tag aufs Neue spricht, ist für uns etwas Wunderschönes.

Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis der Koordinierungsstelle JAKOB - Die Koordinierungsstelle JAKOB ist eine Einrichtung der Österreichischen Bischofskonferenz zur österreichweiten Vernetzung der Jugend-Apostolate, inbesondere von Kirchlichen Bewegungen und Neuen Gemeinschaften, Orden, Initiativen und Gebetskreisen sowie befreundeten Gruppierungen.