Skip to main content

Theologie des Leibes

Quelle: tomashoraciojerez.blogspot.com

Zitat für Monat Sept. 2015, Teil 2

 

 

„Der Leib bringt die Person zum Ausdruck“

 

Johannes Paul II., 31.10.1979

 

2. Teil: Krönung der Schöpfung

 

Erinnerst Du Dich? Der Leib ist gut, er ist sogar sehr gut. Er und die sexuelle Vereinigung in der Ehe, ist dazu geschaffen Gottes ewiges Geheimnis der Liebe sichtbar zu machen und zu verkünden.


Wir fahren fort in der Reihe der Zitate und kleinen Zusammenfassungen zur Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II. Du wirst in den nächsten Teilen erkennen können, warum der Leib, ausgerechnet er, der das grosse Geheimnis Gottes sichtbar machen soll, in einen grossen, geistigen Kampf miteingeschlossen ist. Um dies genauer zu erklären, ist es notwendig ganz an den Anfang zu gehen – zu Genesis, zur Krönung der Schöpfung.

 

 

Quelle: www.lifebyo.com
Quelle: www.livenet.ch

Im Buch Genesis der Bibel wirst Du zwei Schöpfungsberichte finden. Der erste Schöpfungsbericht ist in Wirklichkeit der jüngere, er wird der elohistische Bericht genannt, weil in ihm Gott den Namen „Elohim“ trägt. Die zweite Erzählung, mit der das 2. Kapitel des Buches beginnt, ist dagegen sehr viel älter, hier wird Gott Jahwe genannt, und deswegen spricht man von der jahwistischen Erzählung. Du wirst feststellen, dass sie teilweise unterschiedlich sind und dass sie in einer damals üblichen, biblischen und symbolischen Sprache geschrieben sind. Eine symbolische Sprache ist wohl am geeignetsten, um tiefe Wahrheiten zu erkennen. Wir sollten uns nicht durch die moderne Behauptung beirren lassen, die Wissenschaft habe die Schöpfungsberichte widerlegt. Die Schöpfungsberichte waren nie als wissenschaftliches Beweismittel  über den Ursprung der Welt gedacht. Der Autor und der Wissenschaftler haben für die gleiche Wirklichkeit einen anderen Blickwinkel. Mir gefällt das Beispiel von Christopher West diesbezüglich:

„Was macht es doch für einen Unterschied für eine Frau, wenn ihr der Augenarzt in die Augen sieht oder ihr Mann, bzw ihr Freund. Der Wissenschaftler sieht die Hornhaut und notiert wissenschaftliche Fakten. Der Geliebte sieht in ihre Seele und findet mehr poetische und inspirierte Worte (so hoffen wir). „Widerlegt“ die Aussage des Wissenschaftlers die des Geliebten? Nein. Es handelt sich einfach um zwei verschiedene Sichtweisen ein und derselben Wirklichkeit. Der Autor des Buches Genesis war kein Wissenschaftler, sondern ein Liebender, der von Gott inspiriert geistige Mysterien über den Beginn der Welt und der Menschheit niederschrieb. Das müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir die Schöpfungsberichte lesen."

In den Schöpfungsberichten steht, dass in sieben Tagen in genauer Abstufung Gottes Werk geschaffen wird. Der Mensch aber wird als Krönung geschaffen,  mit dem Entschluss: „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild nach unserer Gestalt.“ (Gen 1,26)

Vielleicht liest Du den vorhergehenden Satz noch einmal und vielleicht fällt Dir dabei etwas auf, wenn Du die Schöpfung des Menschen mit den anderen Schöpfungen vergleichst.

Bei allen Dingen, die vor dem Menschen erschaffen wurden, beginnt der schöpferische Akt mit „Gott sprach“ und fährt fort mit „Gott machte“. Bei der Schöpfung des Menschen hingegen sagt Gott: „Lasst uns machen“.

Dieser Plural wurde immer als Hinweis der Dreifaltigkeit der göttlichen Personen interpretiert. Es ist der erste Hinweis auf die Dreifaltigkeit in der Bibel. Vater, Sohn und Hl. Geist sind bei der Erschaffung von Mann und Frau am Werk… Im ersten Schöpfungsbericht heisst es:

Quelle: www.freepik.com

“Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.“

Papst Johannes Paul II. erklärt uns eine weitere, tiefe Bedeutung in diesem  Vers: Dieser  Schöpfungsbericht unterscheidet - bis zu Adams Schlaf und Entnahme seiner Rippe – gar nicht zwischen männlich und weiblich. Hier steht Adam für uns alle. Männer und Frauen. Adam bedeutet nämlich hebräisch „Mensch“. Dieser Vers liefert demzufolge auch einer ausreichenden Grundlage, um die wesentliche Gleichheit von Mann und Frau im Menschsein zu erkennen.

Wie auch die Tiere, wird Adam aus Staub, Lehm geschaffen, jedoch mit dem Unterschied, dass Gott ihm den Lebensatem einhaucht. Der Mensch wird von Gott beseelt und über die Welt gestellt. Obwohl der Mensch so eng mit der sichtbaren Welt verbunden ist, spricht die biblische Erzählung dennoch nicht von seiner Ähnlichkeit mit den übrigen Geschöpfen, sondern mit der Ähnlichkeit Gottes, der nicht sichtbar ist.

Indem Adam die Welt sich untertan macht und den Tieren Namen gibt, entdeckt er auch seinen eigenen Namen, seine Identität. Er suchte nach einer „Hilfe“, aber er fand keine unter den Tieren (vgl. Gen 2,20). Der Leib, durch den der Mensch an der geschaffenen, sichtbaren Welt teilhat und der anders ist als alles was er in der Tierwelt sieht, macht ihm bewusst, allein, einsam zu sein. Johannes Paul II. nennt dieses Alleinsein die „ursprünglichen Einsamkeit“ des Menschen. 

Warum fühlt sich Adam im Paradies denn alleine? Die Antwort liegt auf der Hand – Adam der Mensch ist alleine, weil er das einzige, leibliche Geschöpf ist, das nach dem Abbild Gottes erschaffen wurde. Adam ist in der sichtbaren Welt „alleine“ als Person. Adam ist bislang die einzige Person im Paradies und diese Erkenntnis hat ihm sein Leib, der auch äußerlich anders ist als alle anderen Geschöpfe, geoffenbart.

Quelle: www.grüppli.ch

Seiner Einsamkeit bewusst, erkennt Adam, dass er als Abbild Gottes, die Liebe als seinen Ursprung hat und dass die Liebe seine Berufung und seine Bestimmung ist. Auch erkennt er, dass er im Gegensatz zu den Tieren, eingeladen ist, einen Bund der Liebe mit Gott selbst einzugehen. Adam bejaht die Liebe mit Gott und im Verkosten der Liebe mit Gott, erkennt er weiter, dass er sich mit seinem ganzen Sein danach sehnt, diese Liebe (diesen Bund) mit einer ihm ähnlichen Person zu teilen.

Man soll es irgendwie vom Herzen her verstehen, dieses Gefühl, welches Adam befällt: In seinem Inneren erfährt Adam eine radikale, totale Einsamkeit. Er entdeckt, dass er anders ist, dass er eine Person ist. Eine Person deren Erfüllung darin liegt, „sich einer anderen Person hinzugeben“ und unter allen Wesen der Schöpfung findet er kein anderes personales Wesen, das die Hingabe seiner selbst empfangen könnte. Die Liebe aber will sich verschenken, sie will sich teilen. In dieser totalen Einsamkeit hat Adam dann auch schon seine zweite Berufung erkannt: die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten.

„Der Leib bringt die Person zum Ausdruck“

Johannes Paul II., 31.10.1979

Der Leib hat Adam gezeigt, dass er eine Person ist, dass er anders ist als alle anderen Geschöpfe. Adam erfährt sein eigenes Ich. Auch erfährt Adam, dass er ein „Innenleben“ hat. Der Mensch hat ein Innenleben und es ist unmöglich von einem Innenleben eines Huhns oder Eichhörnchens zu reden. Wir sind alle Geschöpfe Gottes, aber keine andere leibliche Kreatur hat wie der Mensch die Ehre, nach Gottes Abbild geschaffen und beseelt zu sein. Der beseelte Leib ist nicht irgendein Körper, sondern er ist eine Person und die Person kann entscheiden, was sie oder er mit sich und seinem Leib macht.


Y. Pfister

Quelle: www.answersingenesis.org