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Theologie des Leibes

Quelle: tomashoraciojerez.blogspot.com

 

Zitat für Monat August 2015, Teil 1

 

„Der Mensch wird nicht so sehr im Augenblick seines Alleinseins als vielmehr im Augenblick der Gemeinschaft zum Abbild Gottes.“ 

 

Papst Johannes Paul II, 14.11.1979

 

 

Vielleicht geht es Dir jetzt ähnlich wie mir, als ich die ersten Zitate von Theologie des Leibes gelesen habe. Ich fragte mich „wie meint dies der Papst? Spricht er nun wirklich von der „Gemeinschaft zwischen Mann und Frau“? Von Sex? Und ich dachte nicht anders, als viele Theologen, die sagen, dass wir als Individuen durch unsere Geist-Seele,  Gottes Abbilder seien. Darüber möchte ich gerne mehr erfahren, waren meine damaligen Gedanken und  setzte mich mit der Theologie des Leibes auseinander.

 

Mit Hilfe von grossartigen Theologen werden auf dieser Seite von „Reine Herzen“ monatlich, einzelne Zitate und Erklärungen aus den Mittwochskatechesen von Johannes Paul II. erläutert. Diese Theologen sind wahre Lehrer der Liebe zwischen Mann und Frau, sie haben die Schriften von Papst Johannes Paul II. ausführlich studiert und viele Vorträge darüber gemacht. Wenn auch die nachfolgenden Erklärungen in dieser Kurzform nie dem heranreichen, was die genannten Theologen  in ihren Büchern und Vorträgen ausführlich berichten, so möge es doch Eure Herzen öffnen für den grossartigen Liebesplan Gottes - für und zwischen Mann und Frau.

 

 

Quelle: Liebeserklärung.net

Im 1. Teil: Der Leib – ist das Christentum körperfeindlich?

 

Im obigen Zitat heisst es, dass Mann und Frau vor allem während der Gemeinschaft oder anders ausgedrückt, in der ehelichen Vereinigung, Abbild Gottes sind. Das sind grosse und wunderbare Worte des Papstes. Somit ist auch dem Leib eine grosse Bedeutung zu zumessen. Viele Menschen und auch katholische Christen denken jedoch, dass das Christentum körperfeindlich ist. Es stimmt, dass Gott wahrer Geist ist und es stimmt auch, dass der Geist Priorität hat vor der Materie, jedoch ist diese für Johannes Paul eine falsche Trennung. Er stellt uns eine Theologie vor, die bannbrechend sein wird, wenn sie weiter erkannt und verbreitet wird.

 

„Der Leib, und nur er“ so der Papst, kann das Unsichtbare sichtbar machen: das Geistliche und Göttliche. Er wurde geschaffen, das von Ewigkeit her in Gott verborgene Geheimnis in die sichtbare Wirklichkeit der Welt zu übertragen und so Zeichen dieses Geheimnisses zu sein“ (Hauptthese von Johannes Paul II am 20.2.1980)

 

Der Leib ist geschaffen für „das Sichtbar werden Gottes“ in unserer Welt. Eine Wahrheit, die uns vielleicht überraschen lässt, sie durchzieht die ganze Theologie des Leibes  und hinterlässt eine tiefe, innere Freude.

Christopher West erklärt in einfachen Worten, die  Gedanken des Papstes für unseren Leib: „Leider wachsen viele Christen in dem Denken auf, ihr Körper (und besonders ihre Sexualität) wäre von vornherein ein Hindernis für ihr geistiges Leben. Viele denken, die christliche Lehre besage, ihr Geist wäre „gut“ und ihr Körper „schlecht“. Eine solche Denkweise könnte von einer authentischen, christlichen Sicht nicht weiter entfernt sein! Die Idee, dass der menschliche Leib „schlecht“ sei, ist eine Häresie (ein offenkundiger Irrtum der von der Kirche ausdrücklich verurteilt worden ist) bekannt unter dem Namen Manichäismus.

 

Mani, nach dem diese Irrlehre benannt ist, verurteilte den Leib und alles Sexuelle, weil er in der materiellen Welt die Quelle des Bösen sah. Als Christen glauben wir jedoch, dass alles, was Gott erschaffen hat, „sehr gut ist“ (vgl. Gen 1.31) Johannes Paul fasst die wesentlichen Unterschiede so zusammen: Während für die manichäische Sicht, der Leib und die Sexualität einen „Unwert“ darstellen, lehrt das Christentum, dass der Leib und die Sexualität ein „nicht hinreichend gewürdigter Wert“ sind (22.10.1980) Mit anderen Worten, wenn der Manichäismus behauptet: „Der Körper ist schlecht“, sagt das Christentum: „Der Körper ist so gut, dass man es gar nicht ermessen kann.“

 

 

Sakramentalität des Leibes

Quelle: www.zentrum-johannes-paul-ii.at

 

Der Leib ist so gut, dass man es nicht ermessen kann… Auch wenn aus freien Willen der Körper zum Bösen missbraucht wird, so ist die Sünde, die getan wurde zwar schlecht, jedoch der Leib den Gott geschaffen hat - gut.

 

Johannes Paul sagt sogar aus, dass der Leib „das Zeichen des ursprünglichsten Sakramentes“ ist. Auch diese Aussage muss genauer angeschaut werden.

 

Unter einem Sakrament verstehen wir den Ritus, der als sichtbares Zeichen, beziehungsweise als sichtbare Handlung, eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigt und an ihr teilhaben lässt.

Bestimmt warst Du schon an einer Taufe, erinnerst Dich vielleicht an Deine eigene Firmung oder warst an einer Trauungsfeier. Du erinnerst Dich an die Zeichen und die Symbole, die der Priester bei den einzelnen Feiern verwendet hat. Das Kreuzzeichen beispielsweise, ist das Erkennungszeichen des Christen und die Zusammenfassung des Glaubens.

 

Wenn der Papst nun vom Leib als „Sakrament“ spricht, bezieht er sich nicht auf die 7 Sakramente (Taufe, Firmung, Beichte,  Eucharistie, Weihe, Ehe, Krankensalbung) der Gnade, die wir kennen und die Christus eingesetzt hat.

Sondern Johannes Paul spricht von der Sakramentalität des Leibes und meint damit, dass er - der Leib und nur er „das Zeichen“ ist, das das unsichtbare Mysterium Gottes sichtbar machen kann und das vielmehr im Augenblick der Gemeinschaft, als im Alleinsein.

 

Wir können Gott mit unseren Augen nicht sehen, denn er ist reiner Geist. Aber das Christentum ist eine Offenbarungsreligion und Gott möchte sich uns offenbaren. Er möchte sein unsichtbares, geistiges Geheimnis für uns sichtbar machen, so dass wir ihn „sehen“ können.

Quelle: sry-chinmoy-weisheiten-sprueche.net

 „Fast jeder kennt dieses tiefe Gefühl des Staunens und der Ehrfurcht, wenn er eine klare Sternennacht oder einen tollen Sonnenuntergang oder eine schöne Blume sieht. In diesen Momenten „sehen“ wir Gott in gewisser Weise. Wir sehen ihn in seiner Schöpfung. Im Katechismus steht „Die Schöpfung spiegelt die unendliche Schönheit des Schöpfers wider“ (KKK, Nr 341). Was nun aber ist die Krone der Schöpfung? Was in Gottes Schöpfung spricht mehr als alles andere von Gottes Schönheit? Die Antwort ist: Mann und Frau und ihre Berufung zu fruchtbaren Gemeinschaft. „Gott schuf  den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie. Und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch…“ (Gen 1.27 – 28)

 

Gottes Werke sind gut, sie sind sehr gut… Mögen diese wunderschönen Worte aus der „Theologie des Leibes“ Dein Herz erfreuen!

 

Y.Pfister