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Wahrhaftige oder irdische Freiheit – Teil 2

Die Bereitschaft zum vorehelichen Geschlechtsverkehr ist kein Beweis der Liebe dem anderen gegenüber. Tatsächliche Liebe bedeutet nicht, einfach nachzugeben, sondern aus Liebe und Rücksicht gegenüber dem anderen verzichten zu können. Druck führt zur Degradierung des anderen zu einem Objekt der eigenen Triebbefriedigung. Die Ganzhingabe im körperlichen Einswerden verlangt als Vorbedingung das bedingungslose und endgültige Ja zum anderen. Wer nicht oder noch nicht in der Lage ist, ein endgültiges Ja zum anderen zu sagen, kann nicht verlangen, dass der andere sich körperlich hingibt und schenkt. Der Geschlechtsverkehr ist nicht ein einfacher biologischer Vorgang zur Triebbefriedigung, sondern ein zutiefst interpersonales Geschehen, das bei Ausnützung zu tiefsten Verletzungen und Verwundungen führt. Gelebte Sexualität setzt das höchste Maß an Geborgenheit, Sicherheit und Angenommensein voraus. Durch das Einswerden geschieht eine emotionale Bindung an den anderen, die in der Ehe von absoluter Wichtigkeit ist. Vor der Ehe allerdings kann diese emotionale Bindung das Nein zu einer Eheschließung verunmöglichen. Schwieriger als früher aber ist es, heute dieses Ideal zu leben. Genau das Gegenteil wird in den Zeitschriften und in den Medien propagiert. Manche Eltern gehen soweit, der Tochter mit 14 oder 15 Jahren die Pille zu besorgen, denn einerseits soll vermieden werden, dass die Jugendliche schon schwanger wird. Andererseits wird aber die voreheliche Sexualität als selbstverständlich und als etwas Normales akzeptiert. Wenn ein Paar hingegen dem heutigen Zeitgeist widersteht, wird es oftmals belächelt. Das, was früher als normal angesehen wurde, wird heutzutage belächelt, wenn nicht gar verspottet. Das Bewusstsein der vorehelichen Enthaltsamkeit ist bei vielen praktizierenden Katholiken nicht mehr vorhanden. “Was jedoch in der Jugendarbeit dringend nötig ist, ist die Vermittlung eines soliden medizinischen Wissens über die Abläufe im Zyklus der Frau und eine fundierte Sexualaufklärung. Papst Johannes Paul II. schreibt in Familiaris consortio 33: „Zu den notwendigen Voraussetzungen zählt aber auch die Kenntnis des Körpers und der Zyklen seiner Fruchtbarkeit. In diesem Sinn muss alles getan werden, dass alle Eheleute und vorher schon die Jugendlichen mit Hilfe einer klaren, rechtzeitigen und soliden Information durch Ehepaare, Ärzte und sonstige Fachleute zu einer solchen Kenntnis gelangen können. Diese Kenntnis muss dann in eine Erziehung zur Selbstbeherrschung einmünden: Von hier aus ergibt sich die absolute Notwendigkeit der Tugend der vorehelichen Reinheit und der ständigen Erziehung zu ihr. In christlicher Sicht besagt Reinheit keineswegs eine Verdrängung oder Missachtung der menschlichen Geschlechtlichkeit; sie bedeutet vielmehr eine geistige Kraft, die die Liebe gegen die Gefahren von Egoismus und Aggressivität zu schützen und zu ihrer vollen Entfaltung zu führen versteht.“ Konkret bedeutet dies auch die Weitergabe von soliden Informationen über die Bedeutung und Wirkweise der Natürlichen Empfängnisregelung. Es geht beim Vermitteln des medizinischen Wissens aber explizit nicht um eine Anleitung zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, sondern es ist eine Hinführung für junge Frauen, um die Abläufe im eigenen Körper zu verstehen und die Zeichen der Fruchtbarkeit deuten zu können. Es ist ratsam, dass auch junge Männer sich dieses Wissen aneignen. In der Ehe darf die Verantwortung bezüglich der Zahl der Kinder und der verantwortlichen Elternschaft nicht nur auf den Schultern der Frau lasten. Natürliche Empfängnisregelung (NER) ist ein partnerschaftlicher Weg, der beide Eheleute in die Pflicht nimmt und auch nur praktizierbar ist, wenn beide damit einverstanden sind.